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Wenn Jugendliche sich ritzen – was Eltern und Lehrer wissen sollten

„Hebel-Treff“ mit informativem Vortrag

„Niemals wegschauen!“, war der eindeutige Appell, den Professor Dr. Franz Resch an die Eltern und Lehrer richtete. Wenn Erziehungspersonen bei Jugendlichen Selbstverletzungen wie beispielsweise Ritzen feststellen, sollten sie auf jeden Fall diese Beobachtung äußern und den Jugendlichen darauf ansprechen. Denn Ritzen ist immer ein Signal und ein Hilferuf an die Umwelt. „Die Betroffenen sind oft dankbar für Gesprächsangebote.“

Im Rahmen des „Hebel-Treffs“ hatte die Arbeitsgruppe „Gesunde Schule“ zu einem Informationsabend zum Thema „Ritzen und andere Selbstverletzungen“ eingeladen. 90 interessierte Eltern und Lehrer des Hebel-Gymnasiums nutzten die Gelegenheit, sich über das zunehmende Jugendproblem zu informieren. Als Referent konnte Professor Dr. Franz Resch, ärztlicher Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik Heidelberg, gewonnen werden. Er forscht schon seit mehreren Jahren unter anderem über selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen.

Professor Resch stellte zunächst die Selbstverletzungen in einen Zusammenhang von mittelalterlicher Geißler-Bewegung bis zu heutigen Piercings, die an manchen Körperstellen dauerhaft schmerzend sein können. Eine aktuelle Studie im Rhein-Neckar-Raum mit 5000 Jugendlichen im Alter von 15 Jahren zeigte, dass das Ritzen stark zugenommen hat: Etwa 15 Prozent der Mädchen dieser Altersgruppe gaben an, schon geritzt zu haben. Das Verhältnis von weiblich zu männlich ist 8:1. Dies erklärte Professor Resch damit, dass zwar sowohl Mädchen als auch Jungen psychische Probleme haben, dass aber Mädchen eher zeigen, falls es ihnen schlecht geht, und sich damit – wenn auch in selbstverletzender Form - auseinander setzen, während Jungen eher alles „in sich hinein fressen“. Frauen haben auch mehr Probleme wie Magersucht und begehen mehr Selbstmordversuche. Männer dagegen zeigen ihre Gefühle weniger, begehen eher „erfolgreiche“ Selbstmorde oder Gewalttaten.

Prof. Resch machte den Teufelskreis deutlich, wie Ritzen zur Sucht werden kann: Auslöser ist oft ein negatives Gefühl – Verzweiflung, Kränkung, Selbsthass -, wovon die Schmerzen des Ritzens dann ablenken. Der Gefühlsentlastung folgt aber bald die Scham, seinem Körper dieses „Verbotene“ angetan zu haben. Die Enttäuschung, der Versuchung nicht standgehalten zu haben, führt wieder zu Minderwertigkeitsgefühlen, Selbsthass und erneuter Aggression gegen dich selbst.

Resch berichtete von den klinischen Patienten, die aus Familien mit Gewalt, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung kommen. Doch diese machen nur einen kleinen Teil der ritzenden Jugendlichen aus. Die meisten ahmen die „Modetorheit“ nach, ein sogenannter „Werther-Effekt“. In einer anschließenden, sehr angeregten Diskussion und Fragerunde nutzten die Eltern die Chance, den Experten um Rat zu fragen. Am Ende dankte Elternbeiratsvorsitzender Kai-Jörg Schulz dem Referenten mit einem Geschenk – zwei Theaterkarten. Auch Katrin Rabe vom Heidelberger Mädchenhaus erhielt ein Dankesgeschenk. Denn sie hatte am Nachmittag den Workshop für Schülerinnen zum gleichen Thema geleitet. Ohne Anwesenheit der Eltern oder Lehrer konnten die Schülerinnen dort offen über ihre Probleme reden. Für das Engagement, dieses „heiße Thema“ anzupacken, wurde die Arbeitsgruppe „Gesunde Schule“ vielfach gelobt.


Katrin Rabe, Prof. Franz Resch und Kai-Jörg Schulz

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